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Main-Echo: Warum die RWG auf den Aufstieg verzichtet

Im Zu­ge des Sai­son­ab­bruchs in den Lan­des­klas­sen und der Wie­de­r­ein­füh­rung der 2. Bun­des­li­ga zur Sai­son 2022 tat sich für die RWG Möm­b­ris/Kö­n­igs­ho­fen kürz­lich ei­ne Chan­ce auf: Der Deutsche Ringer-Bund (DRB) bot den Kahlgründern den Aufstieg ins Unterhaus an, das künftig wieder zwischen der 1. Bundesliga und den höchsten Landesklassen – wie der Oberliga Hessen, in der die RWG bei Abbruch Zweiter hinter Meister KSV Rimbach war – platziert ist.

Wie vermeldet, lehnte Mömbris/Königshofen das Angebot jedoch ab und bleibt freiwillig Oberligist. Die Gründe hat nun Benjamin Hofmann als Vorstand Sport des KSC Mömbris und Mannschaftsführer der Ringer-Wettkampfgemeinschaft mit dem SV Königshofen erläutert.

Unter anderem wegen des Rückzugs von Erstliga-Absteiger FC Erzgebirge Aue, der normalerweise in die 2. Liga eingruppiert worden wäre, aber lieber einen Neuaufbau auf Landesebene wagt, bekam der DRB nur 15 statt der 16 geplanten Zweitligisten zusammen. Damit geht eine der beiden Gruppen nur mit sieben statt der geplanten acht Mannschaften an den Start. Kein runder Auftakt für den Verband im ersten Zweitliga-Jahr seit 2016. Von 2017 bis 2021 hatte der steile Übergang direkt zwischen der 1. (und einzigen) Bundesliga und den höchsten Landesklassen stattgefunden.

Erfolglos sondiert

Der DRB sondierte bei anderen Vizemeistern der Regional- und Oberligen ebenso erfolglos wie bei der RWG. Doch warum verzichtete der jahrzehntelange Erstligist Mömbris/Königshofen, der sich auf Sicht doch durchaus das Comeback auf der nationalen Ebene des Mannschaftsringens vorstellen kann und in der abgebrochenen Saison bereits einen ambitionierten Kader samt mehrerer herausragender ausländischer Sportler zusammengestellt hatte, auf den leichten und schnellen Aufstieg?

Zum einen spricht Hofmann von einem »schwierigen Timing: Der DRB hat uns gefragt und uns für unsere Entscheidung eine Woche Zeit gelassen. Das war kurz nach Weihnachten. Da war beispielsweise unser Finanzchef im Urlaub und konnte nichts dazu sagen.«

Auch habe er Ende Dezember »gleich mit Leuten geredet, die für uns auch in der 2. Liga starke Ringer gewesen wären. Die hatten aber schon woanders zugesagt.« Zwar werde die RWG den Großteil seiner vorjährigen Mannschaft halten können. Doch die ein oder andere Verstärkung hätten die Kahlgründer im Falle des Aufstiegs gebraucht, um konkurrenzfähig zu sein. Hinzu kommt, dass einzelne Athleten des bisherigen Teams – beispielsweise wegen Wochenend-Seminaren – in der nächsten Saison keine weiten Samstags-Auswärtsfahrten hätten antreten können.

» Wir gucken uns noch einmal in Ruhe an, wie sich die 2. Bundesliga entwickelt. «

Nicht nur das habe unterm Strich zur Einschätzung geführt, dass für die RWG Mömbris/Königshofen die 2. Bundesliga 2022 noch zu früh gekommen wäre. »Die Zeit spielt für uns, in den nächsten drei Jahren kommen einige unserer Jugendlichen in den Männerbereich«, blickt Hofmann voraus. Dann werde es auch wieder gelingen, eine zweite Mannschaft zu stellen. In diesem Jahr werde man noch darauf verzichten und im Männerbereich einzig mit dem Oberliga-Team antreten. »So können wir uns diese Saison noch einmal in Ruhe angucken, wie sich die 2. Bundesliga strukturell und auch vom Niveau her entwickelt.«

Den Aufstieg fürs nächste Jahr peile man aber an: »Wir wollen in der Oberliga angreifen!« Ob allerdings selbst die Meisterschaft 2022 reicht, um 2023 in der 2. Bundesliga zu kämpfen, ist noch offen: Aus der 2. Liga wird es nur zwei Absteiger geben – und zusammen mit dem vakanten Platz in einer der beiden Gruppen daher nur drei Aufsteiger aus den sieben höchsten Landesklassen. Die Antwort, was der Erstplatzierte der Oberliga Hessen neben der Meisterschaft womöglich noch für den Aufstieg tun muss, will der DRB laut Vize-Präsident Manuel Senn (zuständig für die Bundesligen) noch erarbeiten.

Quelle: Main-Echo | Verfasser: Jens Dörr