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Der ungeschlagene Olympiazweite

In dieser Rubrik geht es um längst vergessene Geschichtchen, die eigentlich unwichtig sind, die aber ein Schmunzeln oder einen kurzen gedanklichen Ausflug in die Vergangenheit bewirken.

Können Sie sich vorstellen, dass man bei einer Olympiade alle seine fünf Gegner besiegt, auch den Goldmedaillengewinner Giovanni Gozzi, Italen, und doch nur Silber gewinnt? Das ist dem Münchner Wolfgang Ehrl bei der Olympiade 1932 in Los Angeles passiert.

Damals wurde nach einer Minuspunktregel platziert. Eine Schulterniederlage brachte 4 Punkte, eine Punktniederlage 3 Punkte, ein Unentschieden 2 Punkte, ein Punkt Punktsieg 1 Punkt, ein Schultersieg 0 Punkte. Ehrl erzielte fünf Punktsiege = 5 Punkte. Gozzi erzielte drei Schultersiege, einen Punktsieg, dazu die Punktniederlage gegen Ehrl = 4 Punkte. Deshalb: 1. Gozzi 2. Ehrl. Danach wurde die komische Regel geändert.

Wolfgang Ehrl gehörte bereits mit 20 Jahren zu den besten deutschen Ringern in der Federgewichts- und später in der Leichtgewichtsklasse. Er war in beiden Stilarten, Griechisch-Römisch und Freistil, erfolgreich. Er war Mitglied der Münchner Sportvereinigung (MSV). Von Beruf war Wolfgang Ehrl Metzger. Auf der internationalen Matte war er von 1932 bis 1936 ständig für Deutschland im Einsatz. Nach 1936 wurde er vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zwar noch in vielen Länderkämpfen, aber bei keinen internationalen Meisterschaften mehr eingesetzt. Allerdings fanden schon 1938 im freien Stil keine Europameisterschaften mehr statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Wolfgang Ehrl immer noch zu den besten deutschen Ringern im Leichtgewicht. Er startete im Jahre 1951 mit 39 Jahren sogar noch einmal bei der Weltmeisterschaft im freien Stil in Helsinki und belegte dort einen ehrenvollen 5. Platz.

1952 zwangen wirtschaftliche Gründe Wolfgang Ehrl zu den Berufsringern überzutreten. Für dieses Metier war er eigentlich zu leicht, konnte aber trotzdem wegen seines hervorragenden technischen Könnens einige Erfolge erzielen. Nach Beendigung seiner Profilaufbahn lebte Wolfgang Ehrl in München und machte sich als Trainer des Nachwuchses beim MSV München-Ost verdient.