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Ringen im Kahlgrund: Nach dem ersten Weltkrieg kommt das Ringen im Kahlgrund in Gang

Nach dem ersten Weltkrieg nahmen die Ringkampfsportvereine im damaligen „Bezirksamt Alzenau“ ihren Betrieb so schnell wie möglich auf. Erst 1939 löst die Bezeichnung „Landkreis“ den Begriff „Bezirksamt“ ab. Aktiv waren in den zwanziger Jahren StuRV Kahl, KSC Hörstein, RV Germania Dettingen, SC Jugendkraft Wasserlos. Die beiden Alzenauer Vereine schlossen sich 1927 zur noch heute bestehenden Athletenvereinigung (AV) Alzenau zusammen. 1926 entstand der RV Felsenfest Niedersteinbach. Der RV Felsenfest war ein Nachfolger des RV Walhalla Omersbach, der sich aufgelöst hatte. Auch in Daxberg und Kleinkahl wurde zumindest sporadisch Kraftsport betrieben. Leider liegen dazu kaum Fakten vor.

In diesen Jahren waren Turnen und Ringen sehr populär. Die Niedersteinbacher Ringer Adolf Hofmann, Peter Brückner und Hannes Brückner waren angesehene Persönlichkeiten – weil sie erfolgreiche Ringer waren. Der Fußballsport hatte starken Zulauf, hatte aber mit dem Attribut, ein „Proletensport“ zu sein, zu kämpfen. Bundesweit genossen Ringer wie Wolfgang Ehrl, Jean Foeldeak, Kurt Hornfischer oder Georg Gehring den Ruf eines Helden, heutigen Popstars absolut vergleichbar.

Historisch gesehen war es um die Sportart Ringen nach dem Aus der alten Olympischen Spiele ruhig geworden. Erst mit dem Erstarken des Rittertums im Mittelalter wurde der „faire Zweikampfsport ohne Hilfsmittel“ aufgewertet. Ringen gehörte zu den „sieben ritterlichen Behendigkeiten“. Eine Ritter sollte dies beherrschen:

„Zu einem vollkommenen Manne gehört, dass er wohl reiten kann, schnell auf- und absitzen, gut traben, rennen und wenden und dass er mit Verstand etwas von der Erde aufnehmen kann. Zum zweiten gehört, dass er schwimmen kann und im Wasser tauchen und sich vom Bauch auf den Rücken wenden und krümmen kann.

Zum dritten gehört zu einem vollkommenen Mann, dass er mit Armbrust und Bogen schießen kann. Das mag er bei Fürsten wohl nützen später. Zum vierten muss er auf Leitern klettern können, das wird ihm wohl nützen im Kriege, auch ist es gut, an Seilen und Stangen klettern zu können. Zum fünften muss er behende sein und wohl turnieren, streiten und recht und redlich fechten können. Zum sechsten muss er bei Gefechten und Scharmützeln ringen können. Er soll mit der Rechten ebenso gut fechten wie mit der Linken. Zum siebten muß bei Tisch er sich gut benehmen können, tanzen und hofieren, auch soll er das Brettspiel (Schach) verstehen und alles, was ihn noch zieren mag.“

Kaum eine Sportart weist eine derartig lange, interessante Geschichte wie das Ringen auf, auch im Kahlgrund. Leider wurden die Ringer ab 1933 von den Nazi-Machthabern als „typische ideale Deutsche“ instrumentalisiert. Auch im Kahlgrund. Der Ringkampfsport wurde wie die anderen Sportarten „gleichgeschaltet“, also von den Nazis verwaltet und organisiert. Natürlich wurden Juden ausgeschlossen. Bei Ringkämpfen war eine große Hakenkreuzfahne obligatorisch und Pflicht. Die Ringer wurden nicht gefragt.