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Ringen im Kahlgrund: Der Kahlgrund war eine Ringerhochburg

Heut­zu­ta­ge ge­rät im­mer mehr in Ver­ges­sen­heit, dass der Kahl­grund einst ei­ne Rin­ger­hoch­burg war. Schon 1899 wur­de in Al­zenau der ers­te Krafts­port­ve­r­ein der Re­gi­on, der Stemm- und Ring­ve­r­ein Al­zenau ge­grün­det. 1910 schu­fen ei­ni­ge Krafts­port­ve­r­ei­ne den StuRV Kahl.

Als dritter Ringerverein des unteren Kahlgrunds wurde 1910 der Germania Alzenau gegründet. Im gleichen Jahr wurde der RV Germania Dettingen aus der Taufe gehoben. Schließlich folgten im Jahre 1912 der SC Jugendkraft Wasserlos und der KSC Hörstein nach.

Diese Vereine und ihre Sportler waren in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg außerordentlich aktiv. Da die gegnerischen Vereine nicht weit entfernt waren, man musste auch den StuRV Großkrotzenburg, Eiche Hanau, Siegfried Kleinostheim und Vorwärts Kleinostheim zur direkten Nachbarschaft zähen, gab es auch wenig logistische Probleme, um Wettkämpfe auszutragen. Per Fahrrad oder zu Fuß zu Auswärtskämpfen – damals kein Problem. Der erste Weltkrieg war ein schmerzhafter Einschnitt in das rege Vereinsleben der Kahlgründer Kraftsportvereine.

Der Sport generell war bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Adel und den reichen Leuten vorbehalten. Erst Georg Ludwig »Turnvater« Jahn (1778 bis 1852) überzeugte die deutsche Gesellschaft von der gesundheitlichen und sozialen Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung. So entstanden die ersten Turnvereine. In diesen Vereinen wurde neben dem Turnen auch der Ringkampfsport praktiziert. Es gab talentierte Sportler, die aus körperlichen Gründen in der Athletik (Turnen) weniger Erfolgsaussichten hatten. Diese wendeten sich der Schwerathletik (Ringen und Gewichtheben) zu. Mit der Zeit wurde Ringen nach dem Turnen als zweite Sportart gesellschaftsfähig. Das war um 1870.

Fairer Zweikampf

Ringen gilt als eine der ältesten Sportarten überhaupt. Ringen ist die Möglichkeit in einem fairen Zweikampf ohne Hilfsmittel nur durch Kraft, Schnelligkeit und Taktik den Stärkeren zu ermitteln.

Die Anfänge des Ringens lassen sich in der Geschichtsschreibung über 5000 Jahre zurückverfolgen. Erste Aufzeichnungen belegen, dass ca. 4000 v. Chr. nomadische Steppenvölker Asiens im Reiten, Bogenschießen und Ringen wetteiferten. Wandmalereien von Beni Hassan in Oberägypten aus dem Jahre 2500 v. Chr. zeigen bereits verschiedene Ringergriffe, die auf eine schon damals hohe Technik in dieser Sportart schließen lassen. Es ist ferner bekannt, dass in Japan und China schon um 1000 v. Chr. gerungen wurde. 708 v. Chr. wurde das Ringen in die antiken olympischen Spiele aufgenommen und als Krönung des Pentathlon (Fünfkampf) erwählt. Bei den alten Olympischen Spielen wurde ferner ein Sieger im Duathlon (Zweikampf), einer Mischung aus Boxen und Ringen, ermittelt, der gelegentlich tödlich endete.