Der Ringer-Bezirk Main-Spessart

Dieser Ringerbezirk hat seine Heimat in den Landkreisen Aschaffenburg und Miltenberg, sowie in der kreisfreien Stadt Aschaffenburg. Obwohl politisch zu Bayern gehörend zählt der Main-Spessart schon seit dem 1. Weltkrieg zum Hessischen Ringerverband. Es gab gelegentlich halbherzige Versuche die Unterfranken heim nach Bayern zu holen. So lud man die Jugendringer des KSC Mömbris in den frühen Siebzigern zu einer bayrischen Meisterschaft ein. Alle Mömbriser holten Platz 1. Und wurden künftig nicht mehr eingeladen.

Die wirklich große Zeit des Bezirks kam nach dem 2. Weltkrieg. Die Dettinger Ringer gehörten zur deutschen Spitze. Das Finale kannte die „Deutsche-Meister-Staffel“ (Heinz und Hugo Heuser, Heßberger, Hartlaub) allerdings nicht erreichen. Auch die Ringer aus Kahl gehörten in den frühen Fünfzigern zur erweiterten deutschen Spitze. Dann kam die große Zeit der Einigkeit Aschaffenburg-Damm. Sechsmal in Serie (1959, 1961, 1962, 1963, 1964, 1965) kamen die Dammer ins Finale. Zweimal (1962 und 1963) konnte der Titel geholt werden. Vor allem in den Endrundenkämpfen gab es ein großes Zuschauerinteresse, so dass in die Sporthalle der amerikanischen Kaserne oder in die Bachgauhalle in Großostheim ausgewichen werden musste. Größter Gegner jener Jahre war der ESV Neuaubing (München), dann Heros Dortmund, VfK Schifferstadt und ASV Schorndorf. Die Namen der Dammer Ringer haben bei den alten Experten einen guten Klang: Karlheinz Gerdsmeier, Franz Schmitt, Michel Lefebvre, Burhan Bozkurt, Mehmet Avcilar, Otto Schmittner u. a. Kurzzeitig gehörten in diesen Jahren Bavaria Waldaschaff, Siegfried Kleinostheim, TSV Gailbach und StuRV Kahl dem Oberhaus an.

In den Siebzigern sank der Stern der Einigkeit langsam aber stetig. Dagegen ging es beim Nachbarn Goldbach ungebremst bergauf. 1987 konnte gegen den VfK Schifferstadt der erste von acht Titeln geholt werden. Zweimal konnte dabei der ACB in einem bezirksinternen Finale den Nachbarn aus Mömbris besiegen. Die Basis zum dauerhaften Goldbacher Erfolgs waren eigene Ringer und Sportler aus der Region: Rifat und Fuat Yildiz, Jürgen Scheibe, Markus Rill, Reiner Heugabel, Toni Kunkel, Armin Rachor, Ahmet Cakici, Kai Staab, Alexander Leipold, Gerhard Himmel u. a. Der dauerhafte Zwang immer an der Spitze mithalten zu wollen und zu müssen zehrte den Verein langfristig aus. 1997 zogen sich die Goldbacher aus der Bundesliga zurück und konnten auch nicht im Ansatz an alte Erfolge anknüpfen.

Der Nachbar aus Hösbach gab zwei kurze Gastspiele in der Bundesliga. Bundesweit machte sich der KSC Hösbach als absolute Talentschmiede einen Namen. Der Weg vom Talent bis zum erfolgreichen Bundesligaringer ist aber inzwischen sehr weit geworden.

Die RWG Mömbris-Königshofen kann bisher noch keine deutsche Mannschaftsmeisterschaft vorzeigen. Drei Vizemeisterschaften (1991, 1994, 2011) stehen immerhin zu Buche. Die RWG kämpfe von 1985 bis 2016 ununterbrochen im Oberhaus. Das ist Rekord. Zur Zeit gehört die Staffel von Siegfried Kleinostheim der Eliteliga an.

Unzählbare deutsche Meisterschaften, internationale Titel und Medaillen holte der  geführte Bezirk. Leider kam es in den letzten Jahren zu einem deutlichen Leistungsabfall, denn es gelingt immer seltener Jugendliche ernsthaft für den Athletiksport zu motivieren. Interessant ist, dass sowohl Sportdirektor Jannis Zamanduridis (Krombach), wie auch die Bundestrainer Michael Carl (RWG, Griechisch/Römisch) und Jürgen Scheibe (Goldbach, Freistil) aus dem Bezirk kommen.