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Main-Echo: Comeback als »2. Bundesliga light«: Ringer-Oberliga Hessen auf hohem Niveau

2022 führt der Deutsche Ringer-Bund zwischen der 1. Bundesliga und den höchsten Klassen der Landesverbände die 2. Bundesliga wieder ein. Die wird kommendes Jahr gespeist durch gleich elf (!) Erstliga-Absteiger und die Meister der Landesklassen, darunter die Oberliga Hessen. Doch schon jetzt ist die Beletage des Hessischen Ringer-Verbands eine »2. Bundesliga light«: Obwohl nach dem Ausfall der Runde 2020 und 20-monatiger Corona-Pause vielerorts Schaden entstanden ist, schicken die Oberligisten in die Saison 2021 Mannschaften auf hohem Niveau. In den Ligen darunter backen die Klubs kleinere Brötchen.

Dies alles geschieht in einer unübersichtlichen Gemengelage. Beispiel Zuschauer: Noch im August gingen viele Vereine von einer mickrigen Auslastung ihrer Hallen aus. Beispiele? Der langjährige Bundesligist RWG Mömbris/Königshofen rechnete im Königshofener Bergheim mit einer Corona-Kapazität von 120 Fans – normal dürfen bis zu 400 rein. In der Gailbacher TSV-Sporthalle kalkulierte der Aschaffenburger Stadtteil-Klub gar nur mit einem Einlass von 70 statt der sonst 500 möglichen Zuschauern.

Der ASV Schaafheim stand selbst eine Woche vor Saisonstart noch in Abstimmung mit der Gemeinde. Auftaktgegner SV Fahrenbach hat den Schaafheimern vor dem Kampf nächsten Samstag gar mitgeteilt, dass die Bachgauer maximal 20 Gästefans mitbringen dürfen. Inzwischen erlauben neue Richtlinien unter Einhaltung der »3G« teils zwar wieder höhere Zahlen. Erschwert wird die Lage aber nicht nur durch verschiedene Inzidenzen in verschiedenen Landkreisen: Die Vereine des Hessischen Ringer-Verbands kommen traditionell nicht nur aus Hessen, sondern auch aus dem bayrischen Ringerbezirk Main-Spessart. Selbst die direkten Nachbarn Schaafheim (Hessen) und Großostheim (Bayern) müssen sich nach unterschiedlichen Landesverordnungen richten. Der hessische Verband kann nur bedingt helfen, verweist die Vereine auf die individuelle Abstimmung mit den örtlichen Ordnungs- und Gesundheitsämtern. Dies bedeutet eine hohe Mehrbelastung für die Klubs und das Ehrenamt, in dem im Ringen meist sogar die Bundesligisten geführt werden.

Trotz der zusätzlichen Belastungen und wackeligen Aussicht für die bis zum 18. Dezember angesetzte Saison der HRV-Landesklassen haben gerade die Oberligisten personell eher geklotzt als gekleckert. Aufsteiger Schaafheim hat sich sechs externe Zugänge gegönnt, darunter starke Ringer aus Kroatien und Ungarn sowie Bundesliga-Rückkehrer Lucas Diehl. Einzig Viktor Terzi verlor man – zum Nachbarn und Rivalen Großostheim, der sogar mit acht externen Zugängen auf vier verlorene Sportler reagierte. Gailbach holte neun Leute, stets im Vergleich zur zuletzt gerungenen Saison 2019. Auch nach Mömbris und Niedernberg kamen sowohl Athleten mit Bundesliga- als auch internationaler Erfahrung. Fahrenbach griff in Georgien zu – und doch scheint der KSV Rimbach unantastbar.

Denn die Odenwälder werden von allen Konkurrenten als Meisterschaftsanwärter Nummer ein genannt, streben auch durchaus den Aufstieg von der jetzt noch zweiten Oberliga-Ebene in die demnächst neue 2. Bundesliga an. Mehr als ein Dutzend Ringer verstärken und verbreitern den ohnehin schon starken Rimbacher Kader. Aufgrund des Zuwachses und einer seit Jahren starken Jugendarbeit ist der KSV Rimbach verbandsweit der einzige Verein, der drei Männerteams in den Ligabetrieb schicken kann.

Eine Etage tiefer sind die Ansprüche und personellen Umtriebe der Hessenligisten schon deutlich geringer. Hier gab es durch die FSV Münster und den KSV Neu-Isenburg auch zwei Rückzüge. Der KSV Waldaschaff verzeichnete einen Aderlass, Ex-Bundesligist KSV Seeheim strebt keine schnelle Rückkehr in höhere Gefilde an. Mit dem zigfachen Deutschen Mannschaftsmeister AC Goldbach ist nach einem Reset der Unterfranken im Jahr 2018 ein großer Name zumindest zurück in der Drittklassigkeit. Dort gelten dennoch besonders die Bundesliga-Reserven aus Kleinostheim und Hösbach als Aufstiegskandidaten.

Prinzipiell wünscht sich der HRV ab 2022 wieder vier Landesklassen à acht Mannschaften,. Dafür setzt man nach vielen Rückzügen in den Vormonaten ab nächstem Jahr auch auf Neumeldungen einiger Teams. In dieser Hinsicht machten diesmal einige spät noch einen Rückzieher, beispielsweise die Frankfurter Eintracht, die erstmals ein Ringerteam hatte aufbieten wollen. Geht man davon aus, dass Kleinostheim und Hösbach erstklassig bleiben, müssten (und sollen) für künftige Achtergruppen diesmal aus jeder HRV-Liga sowohl Meister als auch Vizemeister aufsteigen.

Aufstiegsverzicht programmiert
Wegen großer Leistungsdifferenzen zwischen den Ligen scheint in manchen Fällen ein Aufstiegsverzicht programmiert. Beispielsweise unter den Landesligisten ist ein Sprung in die Hessenliga kein Wunschszenario – selbst Mitfavoriten wie die ASV Dieburg und die SG Arheilgen winken ab. Am stärksten eingeschätzt wird in dieser Liga der ASV Schaafheim II. Die auf fünf Teams ausgemergelte Verbandsliga gilt als Wundertüte.

Quelle: Main-Echo | Verfasser: Jens Dörr