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Arnold Behl – der Architekt der RWG

Öfters ist schon über Arnold Behl berichtet worden. Eigentlich kennt ihn auch jeder. In der Ringerszene, überhaupt im Vereinsleben, dürfte es einmalig sein, dass jemand 40 Jahre einen Verein führt. Zunächst war er als Fußballer beim SV Königshofen aktiv. Im Spielausschuss übernahm er schon als junger Kerl Verantwortung. Öfters fuhr er mit seinen Freunden nach Damm zu den dortigen Ringern des SV Einigkeit. Das bewog ihn dazu, die Gründung einer Ringerabteilung im SVK zu initiieren. Da hieß es zunächst das notwendige Equipment (Matte, Trikots, Tischgarnituren) beschaffen. Ringer mussten ausgebildet werden. Alles war neu. Gerungen wurde im Saal vom „Hohlewirt“. Diese Gastwirtschaft gibt es schon lange nicht mehr. Übrigens musste damals aus statischen Gründen die Decke unter dem Saal mit Holzsprießen gestützt werden. 1970 konnte ins Bergheim umgezogen werden. Die ungleich günstigeren Bedingungen belebten die Entwicklung des jungen Vereins. Die neue Ringerabteilung war äußerst erfolgreich.

Es gab mehrere Aufstiege. Basis des Erfolgs war die Jugendarbeit. Dann kam das Jahr 1978. Der SVK war Meister der Oberliga Hessen geworden, hatte aber den Aufstieg in die 2.Bundesliga verpasst. Da traf Arnold Behl, natürlich in Absprache mit seinen Leuten, die wohl schwierigste, langfristig gesehen aber positivste Entscheidung seiner Funktionärskarriere: Die Gründung der RWG. Die Kräfte wurden gebündelt. Eine ganze Region wurde hinter eine Staffel gebracht. Nur so konnte man im ländlichen Raum den damaligen Metropolen – Mainz, Witten, Schifferstadt – Paroli bieten. Die Rechnung ging auf. Heute, vierzig Jahre danach, sind die einstigen Underdogs und Landeier zu einem Modell, zu einem Vorzeigeverein geworden. Ob in Mainz oder in Köllerbach oder in Weingarten. Der Kampf gegen die RWG ist der Höhepunkt des Jahres. Natürlich ist diese Entwicklung nicht alleine der Verdienst von Arnold Behl. Er hat zu allen Zeiten kompetente, engagierte Mitarbeiter gehabt. Aber er hat sie motiviert, geführt und bei der Stange gehalten.

Dabei ist er alles andere als ein autoritärer Vereinsvorstand. So lange es lief, ließ er seine Leute arbeiten, war aber stets über alles und jeden informiert. Wenn es notwendig war, griff er ein. Er war kein Mann der einsamen Beschlüsse. Am liebsten führte er seine Ringer, indem er mit seinem Führungsteam zusammensaß, über alles ausführlich diskutierte und dann gemeinsame Entscheidungen traf. Er war ein Mann, der bereit war von seiner gefassten Meinung abzugehen, wenn er überzeugt wurde.

Er war alles andere als stur. Er konnte sich auch einmal entschuldigen. Deshalb genoss er menschlich einen hervorragenden Ruf. Die RWG war, wie man es einer bestimmten politischen Partei nachsagt, ausgesprochen diskussionsfreudig, selbstkritisch und sich selbst und alles Mögliche in Frage stellend und natürlich in vielen Dingen nicht perfekt. Aber gerade deshalb ist sie kerngesund, vital, vor Energie und Lebensfreude sprühend.

Die RWG unterscheidet sich grundsätzlich in einem Punkt von allen deutschen Spitzenvereinen. Erst wurde ein ganz starkes Fundament gebaut: Ausbildung von Jugendringern, starkes Funktionärsteam, Trainerausbildung, untere Mannschaften. Das weithin sichtbare Gebäude, die Oberligamannschaft steht deshalb stabil, fest und trutzig wie eine Burg. Bei fast allen anderen Vereinen knirscht es und wackelt im Gebälk. Beim nächsten Sturm, so muss man befürchten, fallen einige dieser zwar äußerlich schönen, in Wahrheit fragilen Gebilde um. Denn die Fundamente sind brüchig oder nicht vorhanden. Und die Kellerdecke ist dünn, aus minderwertigem Zement gegossen, mit zu wenig Stahl bewährt. In der Ringerszene hatte und hat Behl einen vorzüglichen Ruf. Er war ein hervorragender Mattenleiter. Mit den entscheidenden Leuten im DRB war er sehr gut bekannt. Seine Ziele versuchte er durch geschickte Diplomatie, nicht durch brachiale Gewalt zu erreichen.

Er musste schon früh Verantwortung übernehmen. Sein Vater fiel 1944 im Krieg, als Arnold zwei Jahre alt war. In Königshofen baute er mit seiner Mutter und seiner Frau Maria eine Landwirtschaft auf. Sein Berufsleben verbrachte der gelernte Werkzeugmacher bei einem Kunststoff verarbeitenden Betrieb in Michelbach. Maria und Arnold Behl haben drei Söhne: Dieter, der Mann für besondere Aufgaben, Thomas, der Techniker, das Arbeitstier und der Ideenproduzent der RWG, Peter, der Cheftrainer und Motivator der RWG, der sportlich alle Fäden in der Hand hält.

Im Jahre 2018 zog sich Behl aus der Führung der RWG zurück.
Die Lücke, die er hinterlassen hat, ist riesengroß.