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RWG Inside mit Zakri Visinhiriiev

3. November 2026

Manchmal schreibt der Sport Geschichten, die weit über Siege und Niederlagen hinausgehen. Die Geschichte von Zakri Visinhiriiev ist genau so eine. 2022 kam er als Flüchtling des Ukraine-Krieges nach Deutschland – mit ungewisser Zukunft, aber einer großen Leidenschaft im Gepäck: dem Ringen.

Bei der RWG fand Zakri schnell mehr als nur eine sportliche Heimat. Er wurde Teil einer Mannschaft, Teil einer Gemeinschaft – Teil der RWG-Familie. Mit seinem kompromisslos offensiven Stil begeistert er seitdem Woche für Woche die Zuschauer und hat sich längst zum Publikumsliebling entwickelt. Sportlich hat er alle Höhen und Tiefen der letzten Jahre miterlebt: vom Einsatz in der Oberliga, über den Rückzug der Mannschaft 2023, bis hin zum Meistertitel in der Verbandsliga 2024 und dem verdienten Aufstieg in die Hessenliga.

Grund genug, einmal genauer hinzuhören und den Menschen hinter dem Athleten kennenzulernen.

Zakri, 2022 bist du nach Deutschland gekommen – kannst du uns erzählen, wie diese Zeit für dich war? Was hat dir damals am meisten geholfen, dich hier schnell einzuleben?

Zakri: Ja, das war eine schwere Zeit voller Ungewissheit: Man wusste nicht, wohin man fährt und was einen erwartet – ein neues Land, neue Menschen, eine neue Sprache, alles war neu. Damals und bis heute hat die Familie Stadmüller meiner Familie sehr geholfen, wofür wir ihnen sehr dankbar sind. Sie haben uns bei den kleinsten bis hin zu den größten Dingen unterstützt, und gerade dank ihnen habe ich die Chance bekommen, für die RWG zu kämpfen. Ich bin dem Team, das zu meiner Familie geworden ist, dankbar für die gebotene Chance, das Vertrauen und die zahlreichen Erfahrungen, die ich in dieser Zeit sammeln durfte.

Du ringst ist sehr offensiv – ist das schon immer so gewesen oder hat sich das entwickelt? Was geht dir auf der Matte durch den Kopf?

Zakri: Ich betreibe seit meiner Kindheit Ringen, und alle meine Fähigkeiten wurden mir von meinem ersten Trainer vermittelt. Ich bin der Meinung, dass Ringen schön sein sollte und wir die Jugend und das Publikum dafür begeistern sowie den Sport weiterentwickeln müssen – auf der Matte muss gekämpft werden. Ehrlich gesagt bin ich mit meiner Leistung im Ringen nicht zufrieden. Ich glaube, dass ich viel mehr Potenzial habe, und das werde ich auch zeigen.

Das liegt an vielen Faktoren – ich habe durch den Umzug Zeit verloren und hatte auch mit Verletzungen zu kämpfen, aber das sind keine Ausreden, und ich werde das alles wieder aufholen. Wenn ich auf die Matte gehe, vertraue ich einfach auf Gott und versuche, mein Bestes zu geben – das Ergebnis liegt in Gottes Macht.

Wie würdest du die Mannschaft in drei Worten beschreiben?

Zakri: Zusammenhalt, Familie, Zielstrebigkeit.

Wer ist dein engster Trainingspartner – und wer bringt dich im Training am meisten an deine Grenzen?

Zakri: Mein engster Sparringspartner ist Tino Rittinger; er ist unser Freistiltrainer und zugleich mein Trainingspartner. Er verfügt über einen großen Erfahrungsschatz und hat sehr viel zu meiner Entwicklung als Ringer beigetragen. Mit ihm zu trainieren macht Spaß.

Du hast mit der Mannschaft einiges erlebt: Oberliga, Rückzug 2023, Meistertitel 2024 und jetzt der Aufstieg – was war für dich der emotionalste Moment? Was hat euch als Team so stark gemacht, dass ihr wieder aufgestiegen seid?

Zakri: Ja, ich habe schon viel mit der RWG erlebt. Mir ist vor allem der Meistertitel 2024 in Erinnerung geblieben, denn das war mein erster Titel in Deutschland, und ich liebe es einfach, zu gewinnen. Ich glaube, das ist das Ergebnis der Arbeit des Trainerstabs, des Einsatzes jedes einzelnen Ringers und der langen Tradition unseres Vereins.

Du bist mittlerweile ein echter Publikumsliebling – spürst du das während deiner Kämpfe? Was bedeutet dir die Unterstützung der Fans?

Zakri: Ja, natürlich spüre ich diese Unterstützung, sie gibt mir viel Energie. Ich bin allen sehr dankbar, die mir helfen und kommen, um mich zu unterstützen. Ich bin auch denen dankbar, die nicht an mich glauben – ihr motiviert mich.

Was sind deine persönlichen Ziele für die kommende Saison?

Zakri: Ich möchte dem Team helfen und in die Oberliga aufsteigen.

Gibt es einen Traum im Ringen, den du unbedingt erreichen möchtest?

Zakri: Meine nächsten Ziele sind die Hessische Meisterschaft, das Saitiev-Turnier in Belgien und die Qualifikation für die U23-Europameisterschaft. Mein Traum ist es, in der Bundesliga anzutreten und internationale Erfolge zu erzielen. Das mag für manche vielleicht hochgesteckt klingen, aber das ist der Traum eines jeden Ringers. Ich bin der Meinung, dass man sich große Ziele setzen muss: Ich möchte Olympiasieger, Weltmeister und Europameister werden. Wenn man das nicht offen aussprechen kann, wird man es nie erreichen.

Was machst du gerne, wenn du mal nicht auf der Matte stehst?

Zakri: Ich liebe die Natur und Reisen sehr und führe gerne ein aktives Leben mit meinen Freunden. Ansonsten ist Ringen mein größtes Hobby.

Wie würdest du deinen Ringstil in einem Wort beschreiben?

Zakri: Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich meinen Stil nennen soll – das soll lieber jemand anderes für mich sagen. Ich versuche, auch ungünstige Situationen zu meinem Vorteil zu wenden. Seit meiner Kindheit beobachte ich Buvaysar Saitiev und orientiere mich an ihm – er ist mein Vorbild.

Autor: Sebastian

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