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Ringen im Kahlgrund: Aufbruchstimmung bei den Kahlgrund-Ringern

RWG Mömbris-Königshofen: Nach dem 2. Weltkrieg – Populäre Stars brachten den Sport aus dem Tal der Tränen

Nach der blei­er­nen Zeit mit Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, Krieg, Not, Hun­ger und Ge­fan­gen­schaft war die Nach­kriegs­zeit ge­prägt von ei­ner Auf­bruch­stim­mung, Su­che nach Ge­mein­schaft und Idea­lis­mus. Es ging im­mer vor­wärts; ei­nen Rück­schritt gab es nicht.

Trotzdem, dass die Kahlgründer Athletikvereine mit massiven Logistikproblemen – wie kommt man zu den Auswärtskämpfen? Trikots. Kampfequipment usw. – zu kämpfen hatten, ging es in Kahl, Alzenau, Wasserlos, Dettingen und Hörstein munter zu Werke. Probleme hatten die Niedersteinbacher.

In der Presse jener Jahre werden die Niedersteinbacher als »die bösen Buben« tituliert. Denn am ersten Wochen schlagen sie den klaren Tabellenführer. Und eine Woche später bringen sie keine Mannschaft zusammen und verlieren kampflos. Ältere Athleten sind in die Jahre gekommen. Es gab Kompetenzgerangel. Offensichtlich war man sich nicht einig. Schließlich meldete man 1953 den Verein ab. Die jungen Ringer Josef Faust, Hans Lorenz, Walter Liese und Josef Rosenberger wollten sich damit nicht abfinden. Sie initiierten die Gründung des KSC Germania Mömbris. Sportlich spielte der KSC zunächst eine Nebenrolle.

Die Hauptrollen übernahmen bei den Kahlgrundringern der StuRV Kahl und Germania Dettingen. Beide gehörten in jenen Jahren zu den stärksten Mannschaften Deutschlands. Ihre Staffeln traten in der damals höchsten Liga – die Bundesliga wurde erst 1964 gegründet – an. In der Regionalliga Südwest maßen sie mit Teams wie dem KSC Ludwigshafen, dem ASV Mainz 88, dem ASV Groß-Zimmern oder dem VfK Schifferstadt ihre Kräfte. Besonders Dettingen mit ihrer Vier-Deutsche-Meister-Mannschaft (Adolf und Heinz Heuser, Heßberger, Hartlaub) hätte man die deutsche Mannschaftsmeisterschaft zugetraut. Dies scheiterte jedoch an noch stärkeren Staffeln wie Heros Dortmund und München-Neuaubing.

Für den deutschen Ringersport waren die fünfziger Jahre keine gute Zeit. Das Image der schönen Sportart war im Keller. Blumenkohlohren, Ringen in verrauchten Sälen, Nachwirkungen aus der Nazizeit und das Affribut »dumm und stark« machten den Ringern Probleme in der öffentlichen Wahrnehmung. Auch international waren deutsche Erfolge eher die Ausnahme. Dabei wuchs das internationale Ansehen der Athletiksportart. Vielfach gilt Ringen als Universitätssport. Es gibt mehrere internationale Abwandlungen des Ringens: Sambo in Russland, Schwingen in der Schweiz, Sumo in Japan, Ölringen in der Türkei, Glima in Island. Auch der Judosport hat sich aus dem Ringen entwickelt. Aber während es im Judo knapp 50 anerkannte Griffe sind, so zählt man im Ringen knapp 200 Griffe. Im Ringen sind alle Judogriffe erlaubt, außer Halte- und Würgegriffen.

Es waren schließlich populäre Stars, die den Ringersport aus dem Tal der Tränen brachten, wie die Schwarzwälder Freistil-Weltmeister Adolf Seger und Martin Knosp, der Olympiasieger von 1984 Pasquale Passarelli und vor allem Wilfried Dietrich, Olympiasieger von Rom 1960, genannt der »Kran von Schifferstadt«.