RWG-Ringern aus den neuen Ländern begeistern
Der junge Sachse Jan Ulbricht wurde DDR-Nachwuchsmeister im Ski-Langlauf. Da teilte man ihm mit, dass er für diese Sportart zu klein wäre, er solle lieber Ringer werden. Gesagt getan. Nach kurzer Zeit wurde er auch im Ringen DDR-Meister. 1991 kam er zur RWG in den Kahlgrund. Bei den deutschen Meisterschaften von 1992 nahm er den Weltklasseathleten Markus Scherer (Schifferstadt) nach allen Regeln der Kunst auseinander und wurde Zweiter im Greco-Fliegengewicht. Meister wurde Olaf Brandt aus Witten. 1996 und 1997 wurde er deutscher Meister. Und als Krönung seiner Laufbahn gewann er 1995 in Besancon (Frankreich) bei der Europameisterschaft die Bronzemedaille. Seine Spezialtechnik war der Armdrehgriff, den er blitzschnell und technisch perfekt ansetzte. Er wurde im Mömbriser Ortsteil Niedersteinbach heimisch und war interessanterweise mit der Großnichte des ersten Medaillengewinners bei einer deutschen Meisterschaft aus dem Kahlgrund (1931; Johann Brückner) verheiratet. Wie sich manchmal der Kreis schließt.
Ab 1990 verstärkten etliche Athleten aus den sogenannten neuen Bundesländern den Kader der RWG. Einer der ersten war Kai Nöster. Der damals 22-Jährige Greco-Spezialist ging im Finale 1991 gegen Goldbach auf die Mappe. Er wechselte von der RWG zum AV Alzenau und war dann als Ringertrainer und Trainer sehr erfolgreich. Wegen seiner Fähigkeiten wurde er vom Landesverband Vorarlberg in Österreich als Landestrainer verpflichtet. Anschließend war er österreichischer Verbandstrainer Greco. Dann wurde er vom DRB als Trainer des Olympiastützpunktes Saarbrücken angestellt. Im November 2024 wurde er überraschend freigestellt.
Der Thüringer Rainer Oehme kam 1993 als ganz junger Ringer zur RWG. 1989 war er DDR-Meister im klassischen Papiergewicht. Im Finale zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft 1994 konnte er den Olympiavierten Fuat Yildiz schultern. Er war schon in jungen Jahren als Trainer des RWG-Nachwuchses tätig, im Team mit dem Freistilfachmann Thorsten Wagner. Sie waren außerordentlich erfolgreich und bildeten eine Vielzahl deutscher Nachwuchsmeister aus. Seit 2018 ist Oehme Trainer der RWG-Ligastaffel. Er wohnt in Mömbris.
Thorsten Wagner kam 1991 zur RWG. Er war dreimal DDR-Meister, Dritter der Europameisterschaft von 1986 und im gleichen Jahr Vizeweltmeister im Halbschwergewicht Freistil. Er war ein ungewöhnlich nervenstarker Konterringer. In Bundesligakämpfen besiegte er den Schwergewichtsweltmeister von 1991 Andreas Schröder und den amtierenden Serienmeister im Schwergewicht Sven Thiele sowie den Vizeweltmeister im Superschwergewicht Marek Garmulewicz (Polen), den er per Kopfhüftzug schulterte, was im Freistil sehr ungewöhnlich ist. Neben der Jugend trainierte er auch für ein Jahr die Bundesligastaffel der RWG für eine Saison.
Eberhard Probst war schon 36, als er zur RWG kam. Er war neunmal DDR-Meister im Leicht- bzw. Weltergewicht, gewann vier EM-Medaillen und wurde zweimal WM-Dritter. Zudem war er einer der besten Mattenleiter der Welt.
