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Portrait: Tomohiro Matsunaga

Eine der schillerndsten Figuren auf der RWG-Matte war der Japaner Tomihiro Matsunaga. Er weilte im Rahmen eines Kulturaustausches für ein Jahr in Deutschland. Als Gastgeber wurde von den Außenministerien aus Japan und Deutschland die RWG ausgesucht. Das darf durchaus als Kompliment an die Kahlgrund-Ringer betrachtet werden. Und bekanntlich sind ja ausländische Ringer ein enormer Kostenfaktor. Das war bei Matsunaga nicht der Fall. Hier fielen nur die Lizenzgebühren an.

Ringer sind in Japan hoch angesehen. So war Tomihiro als Silbermedaillengewinner von Peking ein bekannter Mann. Sein Aufenthalt in Deutschland wurde von der Presse intensiv begleitet. Bei seinen Kämpfen für die RWG war ständig ein Journalist anwesend, der für japanische Zeitungen berichtete. Der Pressevertreter wurde natürlich von der RWG betreut. Es war auch interessant zu erfahren, was in einem japanischen Reiseführer über die deutsche Küche berichtet wurde. So stand da, dass Aalsuppe das Lieblingsgericht der Deutschen sei, gefolgt von Wildschweinbraten…

Matsunaga machte 14 Kämpfe für die RWG, acht in der RWG I und sechs in der RWG II. 13 Kämpfe gewann er, nur gegen den Nendinger Fuchs Tulbea verlor er. Seine Gegner waren durchaus namhafter Natur: Togusov (Köllerbach), Marcel Ewald (Weingarten), Marcel Fornoff (Gailbach) oder Railean (Aalen). Der Japaner, 1,63 m groß, war ein technisch hervorragender Ringer, der sich immer optimal auf seinen Gegner einstellen konnte. International kämpfe er immer im Bantamgewicht, für die RWG ging er im Feder- oder Leichtgewicht auf die Matte. Er ist am 27. Juni 1980 geboren.

Mit dem Ringen fing er mit fünf Jahren an. Er gehörte ALSOK Tokyo an, dem Team eines Sicherheitsunternehmens. Sportvereine deutscher Prägung kennt man in Japan nicht. Das beste Resultat, das Tomohiro Matsunaga im Juniorenbereich erzielte, war ein 2. Platz bei der Juniorenmeisterschaft von Asien im Jahre 1998. 2002 wurde Tomohiro Matsunaga japanischer Vizemeister hinter Chikara Tanabe. Im gleichen Jahr wurde er Studenten-Weltmeister. Tomohiro Matsunaga wurde aber im Dezember 2004 mit einem Sieg über Seshito Shimizu erstmals japanischer Meister im Bantamgewicht. Auch bei der WM 2005 kämpfte Tomohiro Matsunaga sehr gut und belegte Platz 4.

Das Jahr 2008 wurde dann zum erfolgreichsten in seiner bisherigen Laufbahn. Er siegte zunächst bei der Asien-Meisterschaft in Jeju/Südkorea, womit er sich auch für die Olympischen Spiele in Peking qualifizierte. In Peking siegte er gegen Diatta (Senegal), Akgül (Türkei) und –endlich – auch über seinen Angstgegner Mansurov (Mongolei). Im Halbfinale besiegte er den amtierenden Weltmeister Kuduchov aus Russland. So ging er als Favorit ins Finale, wo er leider dem US-Mann Cejudo mit 2:5 unterlag. Für Matsunaga war aber der Gewinn der Silbermedaille trotzdem ein großer Erfolg. Bei internationalen Meisterschaften rang Tomohiro Matsunaga nach den Olympischen Spielen von 2008 nicht mehr.