News

Lambertseter Bryteklubb: Ein Besuch in der Heimat von Emil Johansen

25. Juli 2026

Wer hat schon einmal etwas vom Lambertseter Bryteklubb in Norwegen gehört? Vermutlich niemand.

Schon 2025 machte ich mich auf die Reise in das Land der wunderschönen Fjorde und beeindruckenden Landschaften. Nun war es wieder so weit. Bereits das erste Treffen mit der Familie Johannsen verlief herzlich. Man fühlte sich sofort willkommen und merkte schnell, dass sich hier alles um das Ringen dreht.

Emils Vater Martin war früher ebenfalls ein erfolgreicher Ringer und nimmt auch heute noch an Veteranen-Weltmeisterschaften teil. Außerdem gehört er zu den Verantwortlichen, die den Verein am Laufen halten. In diesem Jahr wird der Lambertseter Bryteklubb erstmals ein internationales Turnier mit Mannschaften aus Bulgarien, Rumänien und weiteren Ländern veranstalten, an das sich ein Trainingscamp anschließt. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren.

Ein Besuch der Trainingshalle ist natürlich Pflicht – und diese ist durchaus beeindruckend. Zunächst betrete ich das „Gym“ – einen voll ausgestatteten Kraftraum mit allem, was man braucht, um sich ordentlich zu quälen. Die eigentliche Trainingshalle ist, ähnlich wie bei der RWG, vollständig mit Ringermatten ausgelegt.

Zunächst trainieren dort die Kinder, angeleitet von ihrem Trainer Per-Anders Kure, einem Medaillengewinner bei Greco-Europameisterschaften. Anschließend übernimmt er auch die Trainingsgruppe von Emil. Rund 20 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren geben dort jeden Tag auf der Matte alles, um sich sportlich weiterzuentwickeln. Emil muss sich dabei regelmäßig mit dem ein Jahr älteren Bakar Saga, einem zweifachen Europameister, messen. Die Freistilringer trainieren separat.

Vor dem Training haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, im Aufenthaltsraum nach der Schule unter der Aufsicht eines Elternteils ihre Hausaufgaben zu erledigen. Währenddessen wird in der Küche bereits eine kleine Stärkung für das anschließende Training zubereitet.

Es ist Freitag. Gemeinsam mit dem gesamten Team mache ich einen Ausflug mit der Bahn nach Oslo. Von dort geht es 1,2 Kilometer steil bergauf auf einen Berg. Die Aussicht ist atemberaubend. Ganz Oslo und der Oslofjord liegen vor mir. Die Jungs kommen fast zeitgleich mit mir oben an – allerdings haben sie den steilen Anstieg bereits zum zweiten Mal hochgejoggt. Da fällt mir sofort Felix „Quälix“ Magath ein.

Mein Respekt vor der Leistung der Jungs und ihrem täglichen, intensiven Training ist riesengroß. Emil trainiert an sieben Tagen in der Woche. Pause hat er nur, wenn er schläft – Zitat Emil.

Ein großer Vorteil des Vereins ist, dass die Halle von der Stadt gebaut wurde. Auch sämtliche laufenden Kosten für Strom, Heizung, Wasser und sogar ein Hausmeister werden vollständig übernommen. In Deutschland wäre das kaum vorstellbar.

Regelmäßig reisen die Jugendlichen zu internationalen Turnieren nach Schweden, Italien, Estland, Rumänien, Deutschland und viele weitere Länder. Diese Reisen werden ausschließlich privat finanziert. Selbst die Fahrten mit der Nationalmannschaft müssen komplett aus eigener Tasche bezahlt werden.

Dabei wird ständig versucht, Trainingsinhalte aus anderen Ländern mitzunehmen, neue Ideen zu entwickeln und Pläne zu schmieden, wie man die Talente noch besser fördern und den Verein weiterentwickeln kann. Erfolg ist eben kein Zufall.

Es ist davon auszugehen, dass dieser Verein in den kommenden Jahren noch viele erfolgreiche Ringer hervorbringen wird. Trotz der harten Arbeit herrschen dort stets gute Laune und ein außergewöhnlicher Teamgeist.

Ich freue mich schon auf das nächste Wiedersehen. Ein Besuch bei der RWG ist bereits in Planung.

Impressionen

Autor: Christian