Kahlgrundringer: Internationale Leistungsträger
Schon seit den 60er Jahren verstärkten nicht-deutsche Athleten die Ringervereine. Der erste war Emrullah Erdil, der für den KSC Mömbris auf die Matte ging. Mahmut Bulut setzte sich beim AV Alzenau selbst ein Denkmal. Fast zwei Jahrzehnte war er der Fels in der Brandung in der Alzenauer Staffel. Hassan Akyol kämpfte in der 2. Bundesliga für den KSC Mömbris. Der bärenstarke Halbschwergewichtler war in Deutschland nicht zu besiegen. Sami Pehlivan (Kahl, später Damm) war nicht nur ein großartiger Ringer; er war ein vorbildlicher Sportsmann. In den Bundesligajahren der Kahler überzeugte er wie sein Landsmann Sefik Namli. Ebenfalls für StuRV Kahl ging der Amerikaner Bill Breen auf die Matte. Der US-Boy Phil Brown trug in den späten 80er Jahren das RWG-Trikot. Er war ein Spitzenmann. In Goldbach konnte er den großen Ahmet Cakici mit 4:2 Punkten besiegen. Leider musste der GI während der laufenden Endrunde in den Golfkrieg ziehen und ging anschließend nie mehr für die RWG auf die Matte.
Bis zum Bosman-Urteil im Jahre 1995 durfte pro Kampf nur ein nicht-deutscher Sportler eingesetzt werden. Als Bosman-Urteil wurde eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 1995 bekannt, nach dem Profisportler in der EU nach Ende des Vertrages ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln dürfen. Weiterhin stellte das Gericht einen Profisportler aus der EU einem deutschen Sportler rechtlich gleich. Der DRB beschloss daraufhin ohne Not, dass es künftig keine zahlenmäßigen Beschränkungen beim Einsatz aller ausländischer Sportler geben würde. So kam es zur absurden Situation, dass es Staffeln ohne nur einen einzigen deutschen Ringer gab, die um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft kämpften.
Für die RWG gingen unzählige ausländische Sportler auf die Matte. Olympiasieger wie Iskandarian oder Jordanov. Weltmeister wie Soukra, Bacsi, Chekhirkin, Ganev. Die Europameister kann man nicht aufzählen, bestimmt mehr als zehn. Manche enttäuschten, manche begeisterten. Plamen Paskalev, der bei Olympia 1996 Alexander Leipold besiegt hatte, war ausgesprochen beliebt. Nicht nur, weil er fast immer gewann, sondern, weil er in Königshofen wohnte und für jeden zu sprechen war. Die Schweden waren immer topfit und auch gesellig. Taimuraz Tigiev, der für Aserbaidschan startete, hatte bei Olympia 2008 Silber im Schwergewicht gewonnen. Später wurde er wegen Dopings disqualifiziert. Bei der RWG enttäuschte er grenzenlos.
Trotzdem hebt sich Khachaber Khubeshty von allen ab. Er war sagenhaft, absolute Weltklasse. Er besiegte im Endrundenkampf gegen Köllerbach Ibragim Aldatov mit 9:0. Dieser war amtierender Weltmeister im Mittelgewicht, eine Gewichtsklasse höher als Khubeshty. Khachaber startete für Russland. Er war Ossete, aus einer ungeliebten Kaukasus-Region. Es gab zu seiner Zeit Dennis Zargusch, einen russischen Serienweltmeister im Weltergewicht. Gegen ihn durfte Khubeshty nicht ringen. Weil er ihn besiegt hätte. Und ein Ossete durfte nicht gegen einen Russen gewinnen. Punkt.
