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Die schwedischen Ringer kommen in den Kahlgrund

2. Januar 2026

US-Amerikaner, Kubaner, Japaner, Norweger, Aserbaidschaner, Armenier, Russen, Dänen, Engländer, Polen, Türken, Iraner (mit dem für die Hallensprecher unaussprechlichen Namen Alireza Garshasebikarizi), Griechen, Ungarn, Bulgaren, Ukrainer, Slowaken trugen das Trikot der RWG. Mit dem Aserbaidschaner Taimuraz Tigiev, eigentlich ein Schwergewichtler der absoluten Weltklasse, hatte die RWG Pech; der konnte ähnlich wie sein griechischer Gewichtskollege Ioannis Arzoumanidis seine Klasse nie unter Beweis stellen. Glück hatte die RWG mit schwedischen Sportlern.

Der erste Schwede, der für die RWG auf die Matte ging, war der Weltergewichtler Torbjörn Kornbakk. Wie Kornbakk zu seinem ersten Auftritt im RWG-Trikot kam, ist eine kuriose Geschichte. Denn eigentlich sollte im Viertelfinale zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft 1995 der russische Weltklasse-Papiergewichtler Zafer Guliev den Ausländerplatz, damals durfte pro Staffel nur ein Nicht-Deutscher ringen, einnehmen. Doch der war vor dem Kampf gegen den KSV Aalen unauffindbar. Man munkelte, dass die Aalener hinter der Sache steckten. Was diese natürlich empört von sich wiesen. Über Nacht wurde die Lizenz für Kornbakk erwirkt. Natürlich gewann er seinen Kampf. Übrigens ging Guliev in der nächsten Saison für Aalen auf die Matte. Welch ein Zufall. Kornbakk war übrigens Olympiadritter, WM-Dritter und zweimal Europameister.

Derartige internationale Titel hatte Jim Petterson nicht aufzuweisen. Aber als Mannschaftsringer war er die große Nummer. Er trat im Mittelgewicht (84 kg) an. Jim war ein Konditions- und Motivationswunder. Im Kampf gegen Weingarten traf er auf den Weltstar Melonin Noumonvi, Vizeweltmeister im Halbschwergewicht. Er lag nach Runden 0:2 zurück. Ein 0:3 drohte. Doch dem Franzosen wurde zum Verhängnis, dass er für diesen Kampf acht Kilo abkochen musste. Zwar austrainiert wirkend, pumpte er ab der dritten Runde wie ein Maikäfer, schund Zeit und wurde schließlich wegen Passivität und Mattenflucht disqualifiziert. Aus dem 0:2-Rückstand machte Petterson somit ein 4:0; statt des drohenden 7:14 lautete der Gesamtstand 11:11 – die RWG lebte wieder, und mit ihr, so der Hallensprecher Kurt Kern, »die besten Fans der Liga«.

Eine Rakete war Jakob Cedergren, nicht zu verwechseln mit dem dänischen Schauspielstar gleichen Namens. Er wirkt außerhalb der Matte zahm wie ein Lämmchen. Aber auf der Matte war er sofort auf Betriebstemperatur. Abwarten gab es bei ihm nicht. Nur Attacke. Seine Kopfklammer war äußerst effektiv. Vom Kämpferischen her war er der Größte, den die RWG je hatte.

Die schwedischen Ringer der RWG, z. B. Robert Rosengren, Fisnik Zahiti oder auch Frederik Schön (EM 3. 2014), waren immer topfit. Sie wirkten immer hoch motiviert. Und alle waren äußerst zugänglich. Besonders imponierend war der Schwergewichtler Johan Euren. Der Schwergewichtler war ein Ringer der Extraklasse. In Deutschland musste er sich nur dem türkischen Olympiasieger Riza Kayaalp beugen. Euren gewann 2012 Olympia-Bronze.

Autor: Kurt Kern