RWG Inside mit Rainer Oehme
Wenn man über die RWG Mömbris-Königshofen spricht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Rainer Oehme. Als aktiver Ringer stand er selbst in der Bundesliga auf der Matte, kämpfte für die Farben der RWG und erlebte dabei große Siege, aber auch bittere Niederlagen. Doch auch nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Verein treu – zunächst als engagierter Jugendtrainer und später als verantwortlicher Trainer im Greco-Bereich der ersten Mannschaft.
Rainer hat in den vergangenen Jahrzehnten wirklich alles mit der RWG erlebt: sportliche Höhepunkte, emotionale Momente und auch schwierige Phasen. Eine davon war sicherlich das Jahr 2023, als sich die erste Mannschaft aus dem Ligabetrieb zurückziehen musste. In einer Zeit voller Unsicherheit war auf ihn jedoch sofort Verlass – ohne zu zögern stellte er klar, dass er dem Verein weiterhin zur Seite steht.
Der Neustart ließ nicht lange auf sich warten: Mit einer neu formierten Mannschaft gelang unter seiner Leitung direkt der Meistertitel in der Verbandsliga. Und auch in der darauffolgenden Saison bewies das Team trotz zahlreicher Verletzungen Charakter und sicherte sich einen starken vierten Platz – verbunden mit dem Aufstieg in die Hessenliga.
Zeit also, mit einem echten RWG-Urgestein zu sprechen – über Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft unseres Sports.
Rainer, du bist ein echtes RWG-Urgestein – was bedeutet dir der Verein persönlich?
Rainer: Für mich bedeutet die RWG vor allem Zusammenhalt und Gemeinschaft. Es ist etwas Besonderes, Teil dieser Familie zu sein und gemeinsam mit den Sportlern und dem Verein durch gute wie schwierige Zeiten zu gehen. Besonders prägend ist für mich, über viele Jahre hinweg die persönliche und sportliche Entwicklung der Athleten zu begleiten. Dazu kommen viele Erinnerungen an starke Bundesligazeiten auf hohem, teils internationalem Niveau sowie die Freundschaften zu ehemaligen Teamkollegen und aktiven Ringern. Sehr viel bedeutet mir auch die Anerkennung und Wertschätzung durch langjährige Fans, Helfer und Wegbegleiter.
Du standest selbst in der Bundesliga auf der Matte – was war dein größter Moment als aktiver Ringer?
Rainer: Ich blicke auf 15 Jahre in der 1. Bundesliga zurück, mit vielen starken, aber auch schmerzlichen Momenten. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Siege gegen international bekannte Gegner – egal ob im DM-Finale, in den Play-offs oder im regulären Ligabetrieb. Ein Highlight war sicher das DM-Finale 1994 gegen den AC Bavaria Goldbach, als ich statt einer eingeplanten Punktniederlage überraschend einen Schultersieg erkämpfen konnte. Ebenfalls prägend war ein Viertelfinalkampf gegen Weingarten: Obwohl ich eigentlich schon aufgehört hatte, wurde ich reaktiviert, musste rund sieben Kilogramm Gewicht machen und stand einem international starken rumänischen Gegner gegenüber. Trotz der knappen Niederlage konnte ich mit meinem Ergebnis entscheidend zum Halbfinaleinzug beitragen.
Was unterscheidet den Ringer von damals vom Trainer Rainer Oehme heute?
Rainer: Heute verfüge ich über deutlich mehr Ruhe, Routine und Erfahrung. Grundsätzlich hat sich aber eines nicht verändert: Der Ringer steht allein auf der Matte und wird an seiner Leistung gemessen. Durch meine eigene Karriere kann ich mich sehr gut in die Lage unserer Athleten hineinversetzen – sei es im Training, im Wettkampf oder beim Gewichtmachen. Als Trainer versuche ich vor allem, den Jungs vor dem Kampf den Druck zu nehmen und sie bestmöglich vorzubereiten. Die Nervosität ist zwar auch heute noch da, aber ich gehe anders damit um und lasse sie mir nicht mehr anmerken.
Der Rückzug der ersten Mannschaft 2023 war ein harter Einschnitt – wie hast du diese Zeit persönlich erlebt? Du hast damals sofort gesagt, dass du dem Verein treu bleibst – was hat dich dazu bewegt?
Rainer: Der Rückzug war ein notwendiger Schritt, um den Verein wieder in die richtige Richtung zu bringen – auch wenn das Risiko eines Scheiterns bestand. Mir war bewusst, was diese Entscheidung für Fans, Sponsoren und die gesamte RWG-Familie bedeutet. Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass viele unserer Ringer bereit sind, den Weg mitzugehen und notfalls ganz unten neu anzufangen. Deshalb habe ich den Kontakt zu allen gehalten und immer wieder Treffen organisiert, sei es in der Sauna oder bei gemeinsamen Aktivitäten. Mein Ziel war es, die Jungs weiterhin auf ihrem sportlichen Weg zu begleiten, schließlich kenne und betreue ich viele von ihnen seit 15 bis 20 Jahren. Der Zusammenhalt und der Fortbestand der RWG standen für uns alle im Vordergrund – deshalb kam für mich auch nie ein anderer Verein infrage.
Direkt im ersten Jahr nach dem Neustart Meister in der Verbandsliga – hast du damit gerechnet? Was war der Schlüssel zum Erfolg dieser Mannschaft?
Rainer: Mit diesem Kader war es eigentlich unser Anspruch, um den Aufstieg zu kämpfen. Unser Training richtet sich nicht nach der Liga, sondern danach, dass unsere Ringer attraktiven und hochwertigen Ringkampfsport zeigen können. Zudem hat die Rückkehr in den Ligabetrieb die Mannschaft zusätzlich motiviert. Diese Kombination aus Qualität, Anspruch und Motivation war letztlich der Schlüssel zum Erfolg.
Was zeichnet die aktuelle Mannschaft aus?
Rainer: Die Mannschaft zeichnet sich durch großen Trainingsfleiß und Zusammenhalt aus. Die Jungs trainieren gerne gemeinsam, sind belastbar und verfolgen ähnliche Interessen. Viele sind auch privat eng befreundet, was den Teamgeist zusätzlich stärkt.
Wie wichtig ist Teamgeist im Vergleich zur individuellen Stärke im Ringen?
Rainer: Beides ist enorm wichtig und ergänzt sich gegenseitig. Individuelle Stärke entscheidet über einzelne Kämpfe, aber der Teamgeist trägt die gesamte Mannschaft durch eine Saison. Gerade Ringer, die weite Wege zum Training oder zu Kämpfen auf sich nehmen, tun das vor allem wegen dieses Zusammenhalts. Neue Sportler werden bei uns sofort integriert und so aufgenommen, dass sie sich wohlfühlen.
Wie gehst du mit Niederlagen – als Trainer – um?
Rainer: Niederlagen sind nie schön und oft auch schmerzhaft, zumal sie von außen häufig kommentiert werden. Für mich ist wichtig, den Glauben an die eigenen Ringer nie zu verlieren. Ich setze auf Motivation statt auf öffentliche Kritik. Intern werden Situationen natürlich analysiert und das Training entsprechend angepasst. Nach außen wird die Mannschaft nicht schlechtgeredet. Entscheidend ist, ruhig zu bleiben, kontinuierlich weiterzuarbeiten und den eingeschlagenen Weg nicht infrage zu stellen.
Was motiviert dich nach all den Jahren noch, in der Halle zu stehen?
Rainer: Mich motivieren vor allem die Verbundenheit zum Verein und zu den Sportlern, die Freude am Training und die besondere Atmosphäre im Bergheim. Das Gesamtpaket macht für mich nach wie vor den Reiz aus.
Was sind deine Ziele mit der RWG in der Hessenliga? Wo siehst du den Verein in den nächsten 5 Jahren?
Rainer: Unser Ziel ist es, den Zuschauern attraktive Kämpfe zu bieten und die Saison konkurrenzfähig zu gestalten. Wenn uns das gelingt, wird sich das auch in der Tabelle widerspiegeln. Eine genaue Prognose für die nächsten fünf Jahre ist schwierig, da viele Faktoren zusammenspielen müssen. Insgesamt sind wir aber gut aufgestellt und arbeiten an einer erfolgreichen und nachhaltigen Zukunft.
Wenn du drei Worte wählen müsstest, die die RWG beschreiben – welche wären das?
Rainer: Tradition, Zusammenhalt und Freundschaft.
Wer gewinnt: Ein Greco-Trainer oder ein Freistil-Trainer im direkten Duell? 😉
Rainer: Von der reinen Ringkampferfahrung her könnte ich mir Vorteile ausrechnen, aber in Sachen körperlicher Verfassung und Gewicht hätte Tino aktuell wohl die besseren Karten. Unabhängig davon bin ich sehr froh, dass wir ihn wieder für uns gewinnen konnten – er ist eine große Bereicherung für unser Training.
Was möchtest du den Fans und Unterstützern der RWG mit auf den Weg geben?
Rainer: Dank der Fans und Unterstützer lebt die RWG weiterhin. Wir sind überzeugt, dass wir uns auch in der kommenden Saison behaupten können, und freuen uns darauf, gemeinsam mit ihnen eine weitere spannende Runde zu erleben.
