Kahlgründer Eigengewächse als deutsche Meister
Sascha Kern wurde 1986 deutscher B-Jugendmeister der Gewichtsklasse bis 25 kg. Er war der letzte Meister dieser Gewichtsklasse, denn danach wurde sie abgeschafft. Ausgebildet hatte ihn Gerhard Reising, der selbst zwischen 1971 und 1973 fünf Mal deutscher Meister im Nachwuchsbereich war. Reising war ein Kopfhüftzug-Spezialist. Diese Technik vermittelte er seinem Zögling perfekt. Saschas Eltern kommen aus Mömbris und Brücken; er ist also ein waschechter Kahlgründer. Schon als ganz junger Ringer rückte er in die 2. (Oberliga) und 1. Mannschaft (Bundesliga) der RWG auf. Damals waren noch die 48- und 52-kg-Gewichtsklassen Teile des Mannschaftsringens. Bestimmt die Hälfte der Vereine füllten dieses Limit mit Nachwuchskräften auf. Sascha wechselte für einige Jahre zu Waldaschaff, dann nach Ladenburg in Nordbaden. Bei dem „Wilde-Jungen-Projekt“ der RWG war er wieder dabei. Er war eigentlich ein Greco-Mann, konnte aber auch Freistil ringen. 1996 wurde er deutscher Meister der Männer in der Gewichtsklasse bis 52 kg. Er war schon wieder der letzte deutsche Meister in diesem Gewicht, denn auch das wurde abgeschafft. Er war ein toller Ringer.
Oldrik Wagner kommt aus Vormwald bei Schöllkrippen. Er war im Jahr 2010 deutscher Meister im Halbschwergewicht. Im Jahr zuvor belegte er bei der Weltmeisterschaft einen großartigen 7. Platz. Nebenbei bemerkt gab es in seiner Gewichtsklasse mit 29 Teilnehmer ein riesiges Teilnehmerfeld. Vor ihm platzierten sich vier Sportler aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion, dazu ein Türke und ein Iraner. In jenen Jahren hielt Oldrik Wagner, der von seinem Vater Thorsten trainiert wurde, in den Bundesligakämpfen gegen alle Spitzenleute mit, nicht nur im Halbschwergewicht, sondern auch im Schwergewicht.
Saba Bolaghi war einige Jahre der beste deutsche Freistilringer überhaupt. 2011 gewann er bei der Europameisterschaft die Bronzemedaille. Vielleicht war er bis jetzt der letzte deutsche Freistilringer der Weltklasse überhaupt. Der Ringer mit iranischen Wurzeln lebt in Frankfurt. Schon als 17-Jähriger kam er zur RWG. Eigentlich war er für die RWG II in der 2. Bundesliga vorgesehen, verdrängte aber bald Thorsten Dominik, der im Jahr 2004 noch deutscher Meister war, aus der Bundesliga-Staffel. Bolaghi war unheimlich schnell und beherrschte perfekte Beinangriffe. Seine Auftritte waren Höhepunkte der Bundesligakämpfe der RWG. Es überrascht, dass er nur einmal (2011) deutscher Männermeister (im Leichtgewicht) war. 2013 wurde er 7. der Weltmeisterschaften. 2014 wechselte er zu MMA (Mixed Martial Arts), einer unkonventionellen Profi-Kampfsport-Kategorie. Auch hier feierte er Erfolge. Später kehrte er zum klassischen Ringen nach Kleinostheim zurück. Allerdings erreichte er nicht mehr sein früheres Leistungsniveau.
Weiterhin holten mit Peter Behl, Roger Gries, Lothar Schächtele, Bengt Trageser und Felix Wissel echte eingeborene Kahlgründer deutsche Meisterschaften im Männerbereich in das Heimatgebiet.
