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Main-Echo: Kein Aufstiegsfavorit 2021: Warum RWG Mömbris-Königshofen dennoch die 2. Bundesliga im Blick hat

30 Jahre lang, von 1985 bis 2015, war die RWG Mömbris/Königshofen aus der Ringer-Bundesliga nicht wegzudenken. Nach dem Rückzug in die Oberliga ackert die Wettkampfgemeinschaft des KSC Mömbris und des SV Königshofen seither in der höchsten Landesklasse. Die wird ab 2022, wenn die 2. Bundesliga wieder eingeführt wird, nur noch die dritthöchste Ebene im deutschen Mannschaftsringen sein. Mittelfristig wollen die »Kahlgrund-Fighters« daher ins neue Bundesliga-Unterhaus.

Nachdem der RWG-Kader für die Ende August oder Anfang September startende Oberliga-Saison 2021 fast komplett ist, zeichnet sich ab: Mömbris/Königshofen hat eine gute Truppe zusammen, die allerdings noch kein Aufstiegsfavorit ist.

KSV Rimbach als Topfavorit

So sieht es auch Benjamin Hofmann, deutscher Vizemeister 2017 und langjähriger Bundesliga-Ringer. Formal gehört er dem KSC Mömbris an, fungiert aber für die RWG insgesamt als Sportvorstand und Kaderplaner. »Unser mittelfristiges Ziel ist die 2. Bundesliga«, sagt Hofmann, der 2019 vom Erstligisten SC Kleinostheim zu den Kahlgründern zurückkehrte und (in den Greco-Limits bis 66 und 71 Kilo) in der Saison 2021 weiter selbst auf die Matte gehen will. »In dieser Saison können wir unter die ersten drei, vier Mannschaften kommen«, blickt er voraus. Wie alle in der Liga nennt er den KSV Rimbach als Topfavoriten auf die Meisterschaft und den Zweitliga-Aufstieg, und gibt mit dem SV Fahrenbach auch einen Geheimfavoriten an.

Guter, aber dünner Kader

Bange ist Hofmann vor den durchweg starken Konkurrenten der hochgerüsteten Oberliga aus mehreren Gründen nicht. »Wir haben zwar einen dünnen Kader, in dem pro Gewichtsklasse und Stilart meist nur ein Ringer zur Verfügung steht«, sagt er. Gerade hinsichtlich Verletzungen dürfe also nicht viel passieren. »Wir werden aber in jedem Kampf die Chance gehen, mindestens vier bis fünf Duelle zu gewinnen.« Denn hohe Qualität ist im Mömbriser Kader, den weiter die Trainer Ahmed Cakici (Freistil) und Rainer Oehme (Griechisch-römisch) coachen, fraglos vorhanden – und 2020 wie 2021 hinzugekommen.

Zwar können die Kahlgrund-Fighters nicht mehr mit Dmitri Dobrov planen, der infolge der Oberliga-Absage im Vorjahr schon ein kurzes Gastspiel beim KSC Hösbach hatte und nun fest zum benachbarten Bundesligisten gewechselt ist. Auch hat Eric Tangel (zum TSV Gailbach) den Verein verlassen. Zudem kann die RWG nicht mehr auf Dario Keimig bauen, der sich 2019 schwer an der Schulter verletzt hatte und seine Karriere mit Mitte 20 beenden muss. »Er wird nicht mehr auf die Matte zurückkehren«, bedauert Hofmann das Aus für das talentierte Fliegengewicht. Überdies hat der einstige Olympia-Dritte Johan Euren, der für die Mömbriser lange in der Bundesliga rang und in der Oberliga ab und zu als Schwergewichts-Highlight eingeflogen wurde, seine Laufbahn beendet. »Er arbeitet in Schweden nur noch als Trainer – keine Chance, ihn bei uns nochmal auf die Matte zu bekommen«, sagt Hofmann.

Zwei Schweden

Zwei schwedische Ringer werden für Mömbris/Königshofen in der Oberliga-Saison 2021 trotzdem auflaufen: zum einen Johann Gustafsson, der schon in der Runde 2019 für die RWG kämpfte; zum anderen Oskar Johansson, der noch keinen Einsatz bestritt. Beide können die Greco-Limits bis 98 und 130 Kilo abdecken. Am anderen Ende der Gewichtsspanne verstärkt Marian Dimitri die RWG: Der 19-Jährige war schon Bulgarischer Juniorenmeister und soll die 57-Kilo-Klasse sowohl im freien als auch im griechisch-römischen Stil abdecken.

Freistiler noch gesucht

Hinzu kommen Klassiker Kevin Müller und Freistiler Sascha Büchner, die schon 2020 vom Bundesligisten SC Kleinostheim zur RWG wechselten. Das Oberhaus entpuppte sich für beide oftmals als etwas zu stark – in der Oberliga sind beide nach wie vor zu positiven Bilanzen fähig. Die traut man in Mömbris auch Leistungsträgern wie Yordan Kungalov und Simon Scheibein zu, die man zu halten vermochte. Gemeinsam mit zuverlässigen Ur-RWGlern wie Florian Lamm und Maximilian Stadtmüller sieht Hofmann das Team schon gut aufgestellt, sucht aber noch Verstärkung für die Freistil-Klassen zwischen 61 und 71 Kilo.

Nach der Komplettabsage der hessischen Ringerligen 2020 wird sich bis zum Meldeschluss (heuer 30. April) herauskristallisieren, inwiefern Corona zu einem Aderlass bei der Zahl der Mannschaften gerade in den unteren Ligen geführt hat. Mömbris/Königshofen musste schon eine Konsequenz ziehen: Hatte die RWG 2020 nach einer Pause noch das Comeback seiner zweiten Mannschaft vermeldet, so wird man diese aus Ringermangel 2021 nicht mehr für die Verbandsliga als niedrigster HRV-Landesklasse melden.

Quelle: Main-Echo | Verfasser: Jens Dörr