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Main-Echo: Die Kinder sind wieder heiß auf Turniere

Ringen: Wie Clubs in der Region mit coronabedingten Absagen umgehen und ihre Talente bei Laune halten

Co­ro­na hat­te und hat spür­ba­re Aus­wir­kun­gen – auch im Sport. Be­son­ders deut­lich mer­ken das die Rin­ger: Mit Aus­nah­me der Bun­des­li­ga ist der Wett­kampf­be­trieb im Ge­biet des Hes­si­schen Rin­ger-Ver­bands (HRV), dem auch der baye­ri­sche Rin­ger­be­zirk Main-Spess­art und sei­ne teils ruhm­rei­chen Ve­r­ei­ne an­ge­hö­ren, bis auf Wei­te­res aus­ge­setzt.

Dies betrifft das Mannschaftsringen, wo alle HRV-Ligen für die Saison 2020 gestrichen sind, und es betrifft auch die Einzelturniere. Doch wie wirken sich fehlende Wettkämpfe und weiter unsichere Aussichten an der Basis aus, gerade im Jugendringen? Wir haben bei drei Vereinen aus der Region nachgefragt.

Kahlgründer „gut drauf“

RWG Mömbris/Königshofen: Für die Wettkampfgemeinschaft aus KSC Mömbris und SV Königshofen spricht Jugendleiter Torsten Wissel davon, dass der Zuspruch unter den rund 30 „Kahlgrund-Fighters“ im Alter von 4 bis 14 Jahren „ziemlich gleich geblieben“ sei. „Aber natürlich würden die Kinder gerne wieder Turniere ringen.“ Zudem startet die RWG das Bambini-Training der Kleinsten erst jetzt wieder – für sie war die Durststrecke besonders lang.

Dennoch sei die Kahlgründer Jugend „gut drauf. Das gemeinsame Training, auch wenn es anders war als sonst, gibt den Kindern eine gewisse Stabilität, besonders in solchen Krisenzeiten.“ Er denke gar, dass sich die Erwachsenen mit den Auflagen und den Umständen schwerer tun, weil sie sich mehr Gedanken machen, so Wissel. Mit Blick nach vorn wünscht sich der Jugendleiter, dass „Turniere mit klaren Regeln“ wieder stattfinden werden.

Kein Aderlass in Hösbach

KSC Hösbach: Johannes Allig, Jugendleiter und Nachwuchstrainer beim Bundesliga-Aufsteiger, sieht ebenfalls noch keinen Aderlass: „Glücklicherweise haben wir durch Corona keine Abgänge zu verzeichnen. Nach der Pause kamen alle Kinder und Jugendlichen wieder ins Training.“

Das habe mehrere Gründe: „Zum einen haben wir beim KSC eine sehr familiäre Atmosphäre, wir holen nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern mit ins Boot und informieren über alle Neuigkeiten. Außerdem ist es auch unsere Philosophie, dass wir nicht nur exzellentes Training anbieten wollen, sondern auch gesellschaftliche Aktivitäten anbieten, sei es Zeltlager, Ausflüge ins Schwimmbad oder den Kletterwald oder sogar Reisen zu Turnieren nach Finnland. Das hat super Zuspruch, so ist über die Jahre eine richtige Gemeinschaft entstanden.“ Zudem habe man nie eine „richtige“ Corona-Pause gehabt, sondern die Zeit mit Video-„Hausaufgaben“ überbrückt.

Klar sei dennoch, dass sich „die Kinder und Jugendlichen wieder auf den Turnieren messen wollten. „Es ist wichtig, den Ringern Ziele zu geben, auf die sie hinarbeiten können.“ Deshalb hofft Allig, dass nächstes Frühjahr die Wettkämpfe wieder normal starten, zumal das Jugendteam der „Vikings“ für die deutschen Meisterschaften qualifiziert ist und der Kraftsportclub auch für die Einzel-DM heiße Eisen im Feuer hat. Insgesamt sind beim KSC Hösbach derzeit 50 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren angemeldet, von denen rund 30 am Training teilnehmen.

Hessen mit kleinem Vorsprung

ASV Schaafheim: Geografisch gerade noch in Hessen, durften die 40 bis 50 Kinder und Jugendlichen der „Bachgau-Bären“ Kontaktsport schon früher als ihre bayerischen Nachbarn wieder ausüben. Doch trotz einer in Hessen schon länger als in Bayern wieder bestehenden Wettkampf- und Zuschauererlaubnis haben auch die dortigen Vereine hinsichtlich einer Saison 2020 abgewunken. Weder die Jugendliga Hessen noch Einzelturniere finden bis Jahresende statt. Und doch halten die Schaafheimer ihre Talente weiter bei Laune.

Zwar berichtet Jugendleiter Nils Böhm davon, dass „die Absage aller Turniere und das monatelange Trainingsverbot ein harter Schlag“ gewesen seien. „Die Trainingsbeteiligung hat bislang aber noch nicht gelitten.“ Erstmannschaftsringer Böhm leitet auch selbst eine Kindergruppe, „es gelingt uns, die Kinder weiter zu motivieren“. Zwar trieben einige parallel zum Ringen auch eine andere Sportart, „wir haben aber noch kein Kind verloren“. Lediglich zwei Nachwuchsathleten, die zur Risikogruppe zählen, können derzeit nicht mitmischen.

Böhm sieht in der aktuellen Lage auch Chancen: „Es hat den Kindern auch mal gut getan, ohne den Druck eines anstehenden Wettkampfs zu trainieren.“ Zudem könnten sich Spitzen-Nachwuchsringer wie David Bertram und Eliah Lucyga ein Jahr länger für ihre ersten Einsätze bei den Männern präparieren. Allerdings gelte es, „ein zweites Trainingsverbot zu verhindern“, blickt Böhm voraus. Gegen Jahresende müsse sich wieder eine Turnierperspektive auftun: „Die Hessenmeisterschaften sollten spätestens im März, April, Mai stattfinden“, wünscht er sich. „Die Kinder sind jetzt wieder heiß auf Turniere!“

Quelle: Main-Echo | Verfasser: Jens Dörr