RWG-Report: Ausgabe 04/2019

Unser heutiger Gegner: KSV Neu-Isenburg

Ausgabe 04/2019

Der Kraftsportverein Neu-Isenburg wurde im Jahr 1898 gegründet. Anfänglich noch mit  der Sparte Schwerathletik erweitert, war der Schwerpunkt Ringkampfsport sehr bald herausgestellt. Die Neu-Isenburger Ringer etablierten sich bis in die 1930er-Jahre hinein als lebhafter Verein, der so gar nicht in das politische Bild des Nationalsozialismus dieser Zeit passte. Der ausbrechende Zweite Weltkrieg stellte dann auch für den eher der sog. „Arbeiterschaft“  zugeneigten KSV eine schwere Zäsur dar.

Dennoch schaffte man nach 1945 einen Wiederaufbau, wobei der im Jahr 2006 verstorbene Willi Euler erheblichen sportlichen Anteil hatte, Hans Roth, Heinz Volb und Helmut Knippel wuchsen als junge Ringer in die erste Mannschaft hinein und sind erst vor kurzer Zeit nach langer Mitgliedschaft verstorben. Unter den zahlreichen Helfern in der Vorstandsschaft dieser schweren Jahre muss man an dieser Stelle vor allem Kurt Lange erwähnen. Zur Neugründung eines Vereins – besser: zur Anerkennung des Vereins in den Augen der amerikanischen Militärbehörden – gehörten integrierte Personen ohne nationalsozialistischem Hintergrund. Lange stellte einen Antrag und führte auch den Bereich der Schwerathletik weiter. Man krempelte die Arme hoch, und in der Gaststätte Gräfenecker in der Bahnhofstrasse (heute der inzwischen ebenfalls legendäre „Treffpunkt“ oder „Treffer“) fanden neben geselligem Beisammensein auch die Mannschaftskämpfe statt. In den 1950er – Jahren kam dann die große Zeit des KSV, die Ringertalente und „Eigengewächse“ wie Werner Schachner oder Manfred Münchschwander    hervorbrachten, die zusammen mit Ringern aus dem Umland wie Djordje Lukac oder Willi Diehl rasch in die Bundesliga vordrangen und bei Einzelmeisterschaften Deutsche Meisterschaften gewannen. Das extrem hohe Niveau dieser Jahre konnte der KSV nicht halten und nach    jeder Blütezeit kommt auch ein Abschwung. Zwischen den Jahren 1970 – 1990 pendelte der KSV zwischen der Ober- und Landesliga hin und her und es gelang immer wieder, eine Mannschaft an den Start zu bringen, während andere Vereine sich auflösten oder überschuldeten.

Im letzten Jahr wurde man Hessenliga-Vizemeister, Punktgleich mit dem KSV Waldaschaff und durfte in die Oberliga aufsteigen. Der traditionsreiche Bezirk Frankfurt ist damit wieder in der höchsten hessischen Liga vertreten. Zwar wurden weder Zu- noch Abgänge vermeldet, allerdings verfügt man mit Dimitirios Fillippidis, den Brüdern Pamir und Bahir Jamalzai , den Zwillingen Petr und Ivan Chavdari, Rafi Nasiri, Gjergii Berisha und Thomas Zahos über gute Kämpfer. In den letzten Jahren konnte man auch damit überzeugen, immer wieder junge Sportler mit Migrationshintergrund zu leistungsfähigen Ringern auszubilden.

In diesem Jahr scheint die Oberliga für die junge Truppe von Trainer Najib Hamayan noch etwas zu früh zu kommen. Wenn man allerdings die Erfolge der zahlreichen jungen Ringer auf Bezirks- und Landesebene sieht, kann man noch einiges vom KSV in der Zukunft erwarten.

Pünktlichkeit

Anpfiff feststehende ist nicht nur eine Zier. Sie kann sich durchaus auch praktisch auszahlen, zum Beispiel wenn es um den Besuch von Kampfabenden wie dem vor einer Woche gegen den SV Fahrenbach geht. Während die eh schon einigermaßen ersatzgeschwächte RWG aufgrund einer Hand-OP auf den Einsatz von Erik Tangel in der 57kg Klasse verzichten musste traf es die Gästestaffel noch härter. Da ein Sportler kurzfristig wieder abgereist war hatte man nur noch acht Akteure an der Waage, was nach den Ligastatuten zu wenig ist und mit null Mannschaftspunkten geahndet wird. Auf 36:0 lautete entsprechend der schon vor dem ersten offizielle Endstand. Der Rest ist ebenso schnell erzählt wie er über die Bühne ging: Nur sieben (Freundschafts-)Kämpfe gab es zu sehen – und die waren nach einer unfreiwillig rekordverdächtigen Gesamt-Kampfzeit von rund 17 min. auch schon wieder beendet.

Nachdem der Fahrenbacher Romeo Jardas in 57kg die Punkte kampflos eingestrichen hatte, machte Johann Gustafsson im Schwergewicht mit Martin Arnold schon recht kurzen Prozess: Schultersieg nach 44 Sekunden. Keinen Gegner hatte dann Simon Scheibein in der 61 kg Klasse, während sich Yordan Kungalov gegen Manuel Cara nach 14:0 Führung in der sechsten Kampfminute mit einem Schultersieg weitere vier Mannschaftspunkte sicherte. Eine 7:11 Niederlage kassierte dagegen Dimitri Dobrov in 66kg Freistil gegen den starken Ion Soilita. Nur kurz währte auch das Kräftemessen in 68kg Griechisch-Römisch. Max Stadtmüller fand sich hier gegen Patrick Eisele nach 58 Sekunden auf beiden Schultern wieder. Genau umgekehrt lief es für Florian Lamm, nach bereits 1:10 hatte er seinen Kontrahenten Jannis Bachert entscheidend ausgepunktet. Die Dusche sparen konnte sich mangels Gegnerschaft Sebastian Fersch (80kg Freistil). In den verbleibenden beiden Leichtgewichtskämpfen setzten sich die Fahrenbacher GheorgeCojocori und Vadim Sacultanvorzeitig gegen die RWGler Philipp Reising und Ali Can Cakici durch und unterstrichen damit auch noch einmal, dass die Mannschaft aus dem Neckar-Odenwaldkreis absolut kein Gegner für die leichte Schulter ist. Schließlich hatten sie im Freundschaftskampf trotz lediglich acht Ringern am Ende nur zwei Mannschaftspunkte weniger als die RWG geholt (20:18), und wer weiß was passiert wäre wenn die Gäste es mit dem geplanten Mann mehr an die Waage geschafft hätten.

Kleine Regelkunde

ALLE JAHRE WIEDER…

Die Basics:
Im griechisch-römischen Ringkampf ist es verboten, den Gegner unterhalb der Hüfte zufassen, ihm das Bein zu stellen, seine Beine zu greifen oder die Beine aktiv gegenüber dem Gegner zur Ausführung eines Griffes zu benutzen.
Im freien Ringkampf ist es erlaubt, die Beine des Gegners zu fassen, dem Gegner ein Bein zu stellen und die Beine aktiv zur Durchführung von Aktionen einzusetzen.

Zeit:
Die Kampfzeit beträgt 2 x 3 Minuten, dazwischen ist eine halbe Minute Pause.
Die Verletzungszeit beträgt maximal 2 Minuten.

Die Punkte:
Wenn es einem Ringer gelingt, seinen Gegner vom Stand in den Boden zu befördern („Take-Down“), bekommt er zwei Punkte.

Techniken vom Stand direkt in die „gefährliche Lage“ (Rückenposition) werden mit 4 Punkten belohnt, ebenso wie Techniken mit großer Amplitude, die aber auch in der Bauchlage enden dürfen. Für spektakuläre Griffe aus dem Stand, mit großer Amplitude direkt in die gefährliche Lage, gibt es ganze 5 Punkte.

Bei einem fehlgeschlagenen Griffversuch (eigener Angriff – ohne Konter des Gegners) geht es ohne Punktvergabe im Stand weiter.

Unentschieden:
Steht es nach zwei Runden unentschieden, wird der Sieger nach folgenden Kriterien ermittelt:

  1. die Anzahl der höchsten Wertungen
  2. die Anzahl der wenigsten Verwarnungen
  3. die letzte Wertung.

„Blau Passiv“:
Passivität wird wie folgt geahndet:
Im Freistil wird nach einer Ermahnung eine „Aktivitätszeit“ von 30 Sekunden gegen den passiven Ringer verhängt. Fallen in dieser Zeit keine Punkte, erhält sein Gegner einen Punkt. Steht es nach zwei Minuten noch 0:0 muss der Kampfrichter eine „Aktivitätszeit“ einleiten. Eine Passivität im griechisch-römischen Stil kann jederzeit ausgesprochen werden. Der Gegner erhält einen Punkt. Pro Runde kann zusätzlich eine Bodenlage (Bauchlage) angeordnet werden.

Foul:
Verwarnungen haben nichts mit der Passivität zu tun, sondern werden bei verbotenen Griffen oder bei „negativem Ringen“ ausgesprochen. Erhält ein Ringer die dritte Verwarnung, wird er disqualifiziert.

DRB – Tagung und Deutscher Ringertag in Bad Mergentheim

Aufatmen bei kleinen Vereinen – ab 2021 soll es wieder eine 2. Bundesliga geben / Ringer- und Ringerinnen des Jahres gekürt 

Bad Mergentheim – Recht entspannt ging es am Samstag bei der Jahres-Hauptversammlung der Ringer zu, bedenkt man, dass der Deutsche Ringer- Bund nunmehr seit Jahren gegen die konkurrierende Deutsche Ringer- Liga klagt. DRB-Präsident Manfred Werner schnitt das leidige Thema mit den 5 abtrünnigen Mannschaften, die ihre eigene Profiliga gründeten und nun mit einer belgischen Mannschaft verstärkt, in ihre dritte Saison gingen, nur am Rande an, betonte jedoch den enormen Aufwand an Arbeit und Finanzen, die der Rechtsstreit den Ringern in beiden Lagern bislang kostete. Vielmehr- und mit großer Freude ging der 73-jährige Ringer-Chef, der seit 2005 die Zügel beim DRB in den Händen hält, die sportlichen Erfolge, die nicht nur den Aufwärtstrend der letzten Jahre unterstreichen, sondern auch die Stellung des deutschen Ringkamfsportes in Europa-, ja weltweit untermauern. 25 internationale Meisterschaftsmedaillen waren es allein 2019, die durch DRB-Ringer und Ringerinnen erkämpft wurden, wobei noch die Weltmeisterschaft der Altersklasse U-23 aussteht. „In Westeuropa haben wir eine gewisse ‚Vormachtstellung‘ erkämpft, gehören dort zu den erfolgreichsten Verbänden, aber wir haben auch schon mehrere osteuropäische Nationen hinter uns gelassen, in denen der Ringkampf zum Nationalsport gehört“, so Manfred Werner stolz auf die Athletinnen und Athleten, aber auch auf den gesamten Trainerstab. Den für die meisten Delegierten wohl spannendsten Part übernahm Christian Ganter (Südbaden), vom Bundesligaausschuss, der für das Jahr 2021 Strukturänderungen in den höchsten Kampfklassen ankündigte. In seinen Ausführungen ging Ganter bis zu 10 Jahre in der Geschichte der Bundesliga zurück, als es noch 20 Erst- und 30 Zweitbundesligisten gab. Es folgte ein kräftiger Aderlass, teils aus wirtschaftlichen-, aber auch personellen Engpässen heraus, so dass sich 2016 die höchste Kampfklasse nahezu auflöste-, vor allem nach dem gleich 5 Teams die 1. Bundesliga verließen und die eigenständige Deutsche

Ringer- Liga außerhalb des DRB gründeten. Es folgte die Verschmelzung der 1.- und 2. Bundesliga zur DRB-Bundesliga, die nicht alle Teams mitgingen, so das am Ende nur 21 Mannschaften in drei Staffeln die Kämpfe aufnahmen. Der Sprung von den Regionalligen in die nunmehr höchste Kampfklasse war für viele Teams zu groß, der Ruf nach der Wiedereinführung einer 2. Bundesliga wurde zuletzt immer lauter.
Nun soll sie also 2021 kommen, die erneute Strukturänderung, wobei Christian Ganter Möglichkeiten mit einer zweigeteilten 1. Bundesliga zu je 7 Teams und darunter zwei Staffeln 2. Bundesliga mit ebenfalls je 7 Mannschaften-, oder eine eingleisige 1. Bundesliga mit 9 Mannschaften- und darunter 2 Achter-Staffeln 2. Bundesliga aufzeigte. Eine Entscheidung darüber soll bei der Bundesligatagung im Dezember fallen. „Mir ist die Ligenstruktur im Grunde genommen egal, mein einziger Wunsch ist: sie muss funktionieren“, so DRB-Vize für Sport Günter Maienschein.  Schon traditionell wurden beim ‚Deutschen Ringertag‘ die Sportler des Jahres gekürt.  Ringerin des Jahres wurde Anna Schell (SC Isaria Unterföhring), die in Bukarest (ROU) Vize-Europameisterin wurde und bei den Weltmeisterschaften der Frauen in Nur-Sultan (KAZ) vor vier Wochen nicht nur Bronze gewann, sondern auch das Ticket zu Olympia 2020 in Tokio (JPN) löste. Bei den Männern kann sich nun Denis Kudla (SV Alemannia Nackenheim) Sportler des Jahres nennen, der bei Welt- und Europameisterschaften jeweils den 3. Platz erkämpfte und mit WM-Bronze ebenfalls die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio schaffte. Als Nachwuchsportler des Jahres wurden Patrick Neumaier (KSV Hofstetten) mit EM-Silber und WM-Bronze bei den Junioren, sowie Rebekka March (SV Warnemünde), als Europameisterin der Kadettinnen gekürt. Problemlos ging der Deutsche Ringertag im Landhotel Edelfinger Hof in Bad Mergentheim zu Ende, alle Anträge zu Änderungen der Satzung und Ordnungen, aber auch eine ‚sanfte‘ Beitragserhöhung fanden deutliche Mehrheiten.