Portrait: Roger Gries

Roger Gries

Die Namen Peter Behl und Roger Gries stehen exemplarisch für den Aufstieg der Kahlgründer Provinzringer zur Spitzenadresse im deutschen Ringersport. Gries ist am 10. August 1965 im Mömbriser Ortsteil Königshofen geboren, wo er auch aufwuchs. Schon als Kind begann er mit dem Ringkampfsport. Sein Vater Günter vermittelte ihm die sportliche Grundausbildung.

Seine Feuertaufe in der RWG-Bundesligamannschaft erlebte er als 16-Jähriger. Als Vertreter des verhinderten Stamm-Schwergewichtlers Lothar Schächtele musste er in Mainz gegen den über 30 kg schwereren Routinier Wolfgang Ries antreten. Gries unterlag nach tollem Kampf mit einem Punkt. Fortan hatte er seinen Platz in der Staffel sicher, ob im Mittel-, Halbschwer- oder Schwergewicht.

Seine Kämpfe waren eine Augenweide. Er agierte blitzschnell, ja explosiv. Er beobachtete seinen Gegner und versuchte eine Schwäche auszunutzen. Oder seinen Kontrahenten abzufangen. Im DMM-Finale 1990 traf er auf den Weltmeister Atanas Komtchev (Bulgarien, Goldbach). „Den Atanas besiegt in Deutschland keiner.“ So die Aussage eines Goldbacher Funktionärs. Gries besiegte ihn. Haushoch. Im Dezember 1989 traf er in einem Endrundenkampf in Michelbach auf den amtierenden Olympiasieger Roman Bierla (Polen, Wiesenthal). Mit drei verkehrten Aushebern demontierte Gries den polnischen Koloss mit 15:0. Allerdings: Gegen die Goldbacher Asse Gerhard Himmel und Mike Bullmann zog Gries regelmäßig den Kürzeren.

In der Halbschwergewichtsklasse hatte er in Deutschland Weltklasseringer wie Uwe Sachs und Andreas Steinbach als Kontrahenten. Mehrfach konnte Gries sich durchsetzen. Bei der WM 1989 im Schweizer Martigny holte er nach hervorragenden Kämpfen Bronze, nachdem er den sowjetischen Superstar Damaskjewisch besiegt hatte. Ab 1990, nach der Wiedervereinigung, hatte er einen schier unbesiegbaren Kontrahenten vor sich, Mike Bullmann. Gries wich ins Schwergewicht aus und überzeugte auch hier mit einem 5. und 6. Platz bei der EM. Weil er mit dem sozialen Klima in der Nationalmannschaft unzufrieden war, beendete er sukzessive seine internationale Karriere.

Roger Gries machte, wenn der Stilartwechsel anstand, vom Schwer- zum Halbschwergewicht gewaltig Gewicht. Er machte das profimäßig, ohne jemals einen körperlichen Einbruch zu erleiden.

Er war bei den Männern vier Mal deutscher Meister, zweimal Zweiter und einmal Dritter. Roger war Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Danach absolvierte er eine Verwaltungslehre. Seit vielen Jahren ist er bei der KfZ-Zulassungsstelle tätig. Er ist verheiratet. Er ist eine Pferdefreund und Hobbylandwirt.